Depression: Wenn schwere Wolken die Seele belasten.



Teil 1





Neulich unterhielt ich mich ganz angeregt mit einer Frau Mitte 50. Es war ein ganz besonderes Gespräch. Ehrlich, tief in die Seele blickend, sowie aufschlussreich.

Ich arbeite unter anderem in einer Psychiatrischen Klinik. Es handelt sich um eine stationäre Abteilung mit dem Schwerpunkt: Depressionen.


Die Dame war im Raum der Ergotherapie beschäftigt und malte ein Bild. Stolz präsentierte sie mir ihr Ergebnis mit folgenden Worten: “Da ist mein schweres Werk”.

Ihre Worte ließen mich aufhorchen und machten mich stutzig. Denn auf dem ersten Blick war es ein auffallend bunt wirkendes Bild. Ich sah leuchtende Farben, fröhlich wirkende Figuren, ein Zitat, sowie Baumwurzeln.

Erstaunt antwortete ich: “Für ein schweres Werk haben Sie aber viele bunt leuchtende Farben ausgewählt”.


Die Dame neigte ihren Kopf zur Seite, betrachtete nachdenklich ihr Bild und meinte: ”Hm, ja das bin ich. Ich neige immer dazu den Clown zu spielen um alles positiv zu sehen. Ich sehe aber, dass ich häufig die Farbe Rot gewählt habe. Diese soll mich immer wieder zur Vorsicht ermahnen soll”. “Rot wird tatsächlich häufig als Warnsignalfarbe eingesetzt” meinte ich daraufhin.


Sie erklärte mir einige der roten Symbole. Es waren Handlungen, über die sie immer wieder stolpert und ihr nicht guttun. Gleichzeitig hatte sie viele positive Aspekte in ihrem Leben mit der Farbe Gelb gekennzeichnet. Ich lobte und bestärkte sie darin, dass sie den Fokus auf das Positive gelenkt und gleichzeitig, die zu verändernden Aspekte in Rot nicht ausser Acht gelassen zu haben.


Um zu verstehen warum ich die Dame lobte, informiere ich Euch in diesem Blogartikel, was es mit einer Depression auf sich hat.










 




Inhaltsverzeichnis


  • Was genau ist eine Depression?

  • Welche Anzeichen weisen auf eine Depression hin?

  • Kurzfragebogen zur Schnellerkennung einer Depression

  • Wie stellt der Arzt die Diagnose fest?


 



Was genau ist eine Depression?



Oft kommt sie schleichend daher. Erst unbemerkt wie ein Nebel. Bis dann tiefsitzende, schwere Wolken die Seele belasten.


Eine Depression ist eine psychische Erkrankung, die jeden von uns und vor allem altersunabhängig treffen kann. Die Person fühlt sich anhaltend erschöpft, niedergeschlagen, antriebslos und verliert jegliche Interessen.


Hinzu kommt eine anhaltend gedrückte Stimmung, sowie die Hemmung von Antrieb und Denken.


Zusätzlich liegen vielfältige körperliche Symptome wie Schlaflosigkeit und Appetitstörungen vor. Angst und Schuldgefühle belasten die Lebensqualität.


Menschen die an einer Depression erkrankt sind, können sich selten alleine von der gedrückten Stimmung, der Antriebslosigkeit, sowie negativen Gedanken befreien. Hellhörig sollte man werden, denn 10 - 15% der Betroffenen begehen Suizid.


Die Depression kann langsam oder ganz plötzlich innerhalb von wenigen Tagen kommen. Manchmal liegt eine schwere Belastung bevor. Manchmal gibt es jedoch keinen ersichtlichen Grund.

Die Ausprägungsgrade reichen von einer leichten bis schweren depressiver Episode. Die Dauer kann von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahren anhalten.


Was man beachten sollte: Wichtig ist es, eine Traurigkeit von der Depression zu unterscheiden.


Wir kennen alle das Gefühl von Traurigkeit. Dieses ist zeitlich begrenzt und kommt nach Misserfolgen, Enttäuschungen oder Verlusten vor. Meist schaffen wir es uns aus eigener Kraft von der Traurigkeit zu befreien. Auch können wir grösstenteils unsere Alltagsaufgaben erledigen.


Bei einer Depression können Betroffene ihren Alltag kaum oder überhaupt nicht mehr bewältigen.

Das Denken, Fühlen und Handeln ist stark beeinträchtigt. Es fehlt der innere Antrieb, das Empfinden von Freude, sowie sexuelle Lust.


Patienten berichten, dass die Art zu Fühlen und zu Denken nicht ablenkbar ist. Eine ständige Schwere lastet auf ihnen, wie schwere Wolken die nicht mehr verschwinden und durch die man alles negativ und in grau getaucht wahrnimmt.



Welche Anzeichen weisen auf eine Depression hin?



Typisch für eine Depression ist ein sogenanntes “Morgen- und Abendtief”. In diesen Tagesabschnitten ist die Stimmung oft am ausgeprägtesten.

Einige Patienten weinen oft nach dem Aufwachen und beschreiben den morgendlichen Zustand als quälend.

Wenn Patienten abends zur Ruhe kommen und nicht mehr durch Tagesaktivitäten abgelenkt sind, kann eine Depression intensiver wahrgenommen werden. Nicht selten äussern einige dann lebensmüde Gedanken.



Weitere Anzeichen sind:


  • fehlender Antrieb: eingeschränkte Arbeitsfähigkeit, kaum Energie


  • fehlendes Interesse: Verlust von Freude und Interesse an fast allem


  • fehlender Selbstwert: fühlt sich wertlos, negative Sicht auf eigene Person


  • negative Wahrnehmung: alles wird negativ wahrgenommen


  • Angst- und Schuldgefühle: Versagensängste, sowie Selbstvorwürfe


  • Psychomotorische Symptome: Bewegung, Haltung, Mimik lustlos



Kurzfragebogen zur Schnellerkennung einer Depression:


Wie lässt sich schnell herausfinden, ob ich an einer Depression leide?

Prof. Dr. J. Margraf ist ein deutscher Psychologe und seit 2009 Inhaber einer Humboldt-Professur, dem Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum.

Prof. Dr. Margraf beschäftigt sich unter anderem mit der kognitiven Erklärung von Angst- und Panikstörungen, sowie Depressionen.

An der Psychiatrischen Universitätsklinik Basel entwickelte er einen Kurzfragebogen zur Schnellerkennung einer depressiven Episode. Mit diesem Bogen lässt sich einfach und zuverlässig feststellen, ob eine vorliegende Beeinträchtigung des Befindens ein krankhaftes Ausmass haben könnte.





Ich stelle dir den Fragebogen im neuen Design zur Verfügung:



 









 



Wie stellt der Arzt die Diagnose fest?





Oft kommen Patienten zur stationären Behandlung auf Zuweisung ihres ambulanten Therapeuten. Viele treten auch freiwillig ein, da der Leidensdruck zu gross ist.


Für die Diagnose führt der Arzt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Dabei werden aktuell geschilderte Beschwerden, sowie die aktuelle Lebenssituation zur Diagnoseerhebung abgeklärt. Der Arzt fragt auch gezielt nach auslösenden Faktoren, Konflikten, weiteren Erkrankungen und körperliche Ursachen, sowie familiäre Häufung.


Im Gespräch werden auch lebensmüde Gedanken, Handlungen und Pläne in suizidaler Absicht erfragt. Es dient zum Schutz des Patienten und Abklärung, ob eine Person auf einer offenen Station untergebracht werden kann oder besser auf eine geschlossen geführte Abteilung.



Depressionen sind in den meisten Fällen gut behandelbar. Deshalb ist es wichtig, darüber zu sprechen!



Benötigst du als Betroffener oder als Angehöriger professionelle Hilfe und Unterstützung, so nimm gerne Kontakt zu mir auf.



Alternativ erhältst du auch unter folgenden Links zusätzliche Hilfe:


Anonym 24 Std.: Dargebotene Hand


Für Kinder, Jugendliche : Telefon 147


Liste Psychotherapeuten: Psychiatrie.ch


Bitte im Notfall die 144 wählen.



 




Die Autorin

Nadège B. Tebiro - Dipl. Psychologische Beraterin & Dipl. Gesundheitscoach . Sie zeigt Frauen und Jugendlichen, wie man stressfreier durchs Leben kommt. Ihr Lebenselixier ist lachen, fetzige Musik, gepaart mit Weingummi und Schokolade! 2021 gründete sie den Female Health Club. Eine Health & Lifestyle Community rund um die Themen körperliche und mentale Gesundheit.